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Scheintür der Prinzessin Wenschet

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Die große Scheintür der Wenschet stellt ein außergewöhnlich informatives Dokument zur Person der Grabherrin und ihrer sozialen Verhältnisse dar. Rein formal entspricht die Scheintür dabei dem für diese Objektgattung üblichen Aufbau : Sie besteht aus zwei breiten Außenpfosten und dazwischen dem Bild der Speisetischszene oben sowie darunter einem Architrav, der über den beiden schmalen Innenpfosten der Tür und der Türnische mit Rollmattenverschluss liegt. Auch für die Verteilung der Darstellungen über Außen- und Innenpfosten gibt es Vorbilder.

Auf dem rechten Außenpfosten ist die Grabherrin selbst dargestellt; als wichtigste Person hebt sie sich durch ihre Größe von allen anderen Personen ihrer Familie und ihrer Dienerschaft ab. Sie ist mit einem langen Trägerkleid, das die Figur betont, bekleidet und trägt eine lange dreiteilige Strähnenperücke. Sie ist reich mit Schmuck an Hand- und Fußgelenken ausgestattet; ein breiter mehrreihiger Halskragen liegt auf ihrer Brust, darüber ist sogar noch eine dünne, eng anliegende Kette am Hals zu erkennen. Die Inschrift über ihrem Kopf weist sie als "Leibliche Königstochter" namens Wenschet (wörtlich : die Wölfin) aus. Vor ihr steht winzig klein ihre Tochter Merit-it-es. Die Dekoration des Pfostens schließt nach unten mit zwei Dienern ab, die das Rinderschenkel-Opfer und das für die kultische Reinigung erforderliche Waschgeschirr, eine Schale mit hineingestellter Kanne, herbeibringen.

Auf dem linken Außenpfosten ist oben die nun erwachsene Tochter Merit-it-es mit ihrem Sohn Ka-aper sowie einem Totenpriester dargestellt. Darunter sind in zwei Registern die Repräsentanten von sechs Domänen wiedergegeben, von denen die Prinzessin ihre Einkünfte im Leben wie im Tode bezog. Die fünf Frauen und der eine Mann sind als nach rechts schreitende Gabenbringer charakterisiert, die in Körben auf dem Kopf Versorgungsgüter tragen als Abgaben der Ländereien, deren Namen schriftlich beigefügt sind. In einem letzten Register darunter führt ein Diener eine gemästete Antilope herbei, ein besonders vornehmes und begehrtes Speiseopfer.

Die Speisetischszene ist allein der Grabherrin gewidmet; sie sitzt links auf einem Stuhl mit kurzer Rückenlehne und streckt die rechte Hand zu den Broten aus, die auf dem Opfertisch vor ihr liegen. Weitere Opfergaben sind rechts und unter dem Tisch schriftlich aufgelistet. Der Architrav enthält wiederum Titel und Namen der Wenschet, der Rollmattenverschluss trägt nur ihren Namen.

Auf den inneren Türpfosten treten die beiden erwachsenen Söhne der Wenschet auf, die durch Amtsstäbe und Szepter sowie ihre Titel als ranghohe Funktionäre der Staatsverwaltung ausgewiesen sind. Sie sind beide mit dem kurzen Schurz bekleidet und tragen Löckchenperücken. Ihnen sind jeweils zwei Frauen zugeordnet, deren Verhältnis zu Wenschet und zu den beiden Männern unklar bleibt, da sie nur mit einem Rangtitel und ihrem Namen bezeichnet sind. Es könnte sich hier um weitere Töchter, aber auch Schwiegertöchter der Wenschet oder andere nahe Angehörige handeln. Zwei von ihnen, Tjentit und Uhem-nefret, sind durch eigene Scheintüren (und damit eigene Gräber) belegt, die bei italienischen Grabungen auf dem Westfriedhof gefunden wurden und sich heute im Ägyptischen Museum von Turin befinden.

Das Grab, in dem diese prachtvolle Scheintür die Hauptopferstelle markierte, gehörte allein der Wenschet, denn es besitzt nur einen Grabschacht; die Bestattung eines Ehemanns war hier also nicht vorgesehen. Vermutlich besaß ihr Ehemann und Vater ihrer Kinder ein eigenes, vielleicht in der Nähe gelegenes Grab; jedenfalls darf man in ihm einen hohen Beamten vermuten, der allerdings bis heute nicht identifiziert werden konnte. Wenschet selbst besaß den höchsten Hofrang einer "Leiblichen Königstochter" und besaß Ehrenämter im Kult der bedeutendsten Göttinnen des Alten Reichs, Hathor und Neith. Solche Ehrenämter waren mit Einkünften verbunden; nimmt man die sechs dargestellten Domänen hinzu, die Größe und Qualität des Grabes, seine Lage im Cheops-zeitlichen Kernbereich des Westfriedhofs, so lässt sich daraus ableiten, dass Wenschet zwar keine Prinzessin von Geburt her war (dann hätte sie auf dem Familienfriedhof des Cheops im Osten seiner Pyramide bestattet sein müssen), aber eine Angehörige der obersten, der herrschenden Schicht Ägyptens zu ihrer Zeit. Es war in der 4. Dynastie möglich, Frauen bedeutender Beamter, aber wohl auch der Königsfamilie nahe stehenden Personen den Rang einer Prinzessin oder sogar "leiblichen Königstochter" zu verleihen. Man kann sogar im Vergleich mit Beamtengräbern, die Domänen-Aufzüge enthalten, vermuten, dass Wenschets Einkommen recht beträchtlich war : Wesire dieser Zeit erhielten Abgaben von 24 bis 36 Domänen, Wenschet immerhin von 6 Domänen. Dabei bleibt natürlich offen, wie groß die Abgaben jeweils gewesen sind, denn darüber liegen keine Informationen vor.

Standort

PELIZAEUS-MUSEUM [04/030] HILDESHEIM

Inventarnummer

2971

Datierung

4. DYNASTIE

Fundort

GIZA NEKROPOLE

Gattung

SCHEINTÜR

Material

KALKSTEIN

Technik

RELIEF, ERHABEN

Höhe

223.2 cm

Breite

147 cm

Tiefe

33.5 cm

Übersetzung

(1) Leibliche Königstochter Wenschet; 8 Kügelchen Natron, kühles Wasser, 8 (? Körnchen) Weihrauch auf die Flamme; Frühstück, Hetja-Brot, Nebes-Früchte, Nebes-Brot, Wein; 1000 (an) Brot, 1000 (an) Bier, 1000 (an) Kleiderstoffen, 1000 (an) Alabaster(gefäßen mit Salbe); 1000 (an) Geflügel, 1000 (an) jungen Rindern, 1000 (an) jungen Antilopen (und) alle süßen frischen Dinge.
(2) Leibliche Königstochter, Priesterin der Hathor, Herrin-der-Sykomore, Wenschet.
(3) Wenschet (wörtlich : die Wölfin).
(4) Leibliche Königstochter, Gottesdienerin der Neith nördlich-der-Mauer, die Versorgte durch Gott Wenschet.
(5) Ihre-Tochter Beauftragte-für-die-Dinge-des-Königs Merit-it-es.
(6) Totenpriester Heben, Totenpriester Tjezu.
(7) Ihr-Sohn Größter-der-Schauenden-von-Iunu (= Heliopolis) Ka-meni.
(8) Beauftragte-für-die-Dinge-des-Königs Tjentit.
(9) Beauftragte-für-die-Dinge-des-Königs Chenti(t)-kau.
(10) Ihr-Sohn Truppenvorsteher (und) Freund Ii-meri.
(11) Beauftragte-für-die-Dinge-des-Königs Neheri(t) (?).
(12) Beauftragte-für-die-Dinge-des-Königs Uhem-nefret.
(13) Ihre-Tochter, die-sie-liebt, Beauftragte-für-die-Dinge-des-Königs Merit-it-es.
(14) Ihr-Sohn Ka-aper.
(15) Totenpriester Hui-nehsi.
(16) Behut, Wab, Henenet (= Domänen-Namen).
(17) Gründung-des-Ii-meri, Tep-nedut, Gründung-des-Uni (= Domänen-Namen).
(18) Herbeibringen das-Jungtier-der-weißen-Antilope.

Bibliographie