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Statuengruppe der Pepi und des Ra-schepses

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Diese kleine Statuengruppe zählt zu den interessantesten Denkmälern des Alten Reiches, die sich dank der Grabungen in Giza unter Steindorff und Junker heute in Hildesheim befinden. Abweichend von der Norm vergleichbarer Familienbildnisse steht hier eine Frau im Mittelpunkt : Die Dame Pepi ist deutlich größer als der erwachsene Mann an ihrer linken Seite dargestellt. Ihre leichte Schrittstellung signalisiert gegenüber der sonst für Frauen üblichen geschlossenen Beinhaltung aktives Eingreifen in das Geschehen.

Pepi trägt über ihrem natürlichen Haar, das als Streifen auf der Stirn erscheint, eine Strähnenperücke, die bis zur Schulter reicht. Sie ist mit dem üblichen schlichten Frauengewand bekleidet, das den Körper eng umhüllt. Den linken Arm legt sie um die Schultern des neben ihr schreitenden Mannes, die rechte Hand hat sie auf seinen rechten Oberarm gelegt. Dies ist eine Geste der Verbundenheit zwischen Ehepartnern, die typisch ist für das Alte Reich. Der Mann ist mit einer kurzen Löckchenperücke und einem schlichten kurzen Schurz ausgestattet. Seine Arme (der linke Arm fehlt heute zum Teil) hängen gerade am Körper herab, die Hände sind zu Fäusten geballt. An Pepis rechter Seite schreitet ein nackter Knabe mit Seitenlocke; mit dem linken Arm umfasst er Pepi, der rechte Arm hängt gerade am Körper herab.

Der Bildaufbau lässt die Interpretation der Gruppe als Bildnis einer Frau mit Ehemann und Sohn zu. Sieht man sich dann aber die Inschriften an, die sich auf der Vorderseite des Sockels befinden, so ergibt sich ein bisher ungelöstes Problem. Titel und Name der Dame Pepi sind in der Mitte richtig zugeordnet, vor dem erwachsenen Mann steht jedoch überraschend "ihr Sohn Ra-schepses", während vor dem Kind die Titel eines Beamten namens Ra-schepses stehen. Der Name Ra-schepses ist dann noch einmal wiederholt worden auf der Basisplatte neben den Füßen des Kindes. Vielleicht wurden die Inschriften zwischen dem erwachsenen und dem kindlichen Ra-schepses versehentlich vertauscht. Dann bliebe es bei der Interpretation der Gruppe : Pepi umfasst ihren Gatten Ra-schepses, auf der anderen Seite steht ihr gemeinsamer Sohn, der denselben Namen trägt wie sein Vater.

Angesichts der ursprünglich sehr guten Qualität der Gruppe möchte man aber daran zweifeln, dass dem Bildhauer bei den Inschriften ein so gravierender Irrtum unterlief. Es gibt daher auch Versuche, die Gruppe als Darstellung der Pepi mit ihrem erwachsenen Sohn Ra-schepses zu erklären, der gleichzeitig auch als Kind wiedergegeben ist. Die beiden Lebensalter könnten als Hinweis auf den Regenerationswunsch gewertet werden, der die Grundlage altägyptischer Jenseitsvorstellungen bildet.

Ungeklärt bleibt dabei in jedem Fall die herausragende Stellung der Pepi im Zentrum der Darstellung, ihre Größe und Schreithaltung. Vielleicht ist dies ein Hinweis darauf, dass Pepi und nicht ihr Mann oder ihr Sohn Auftraggeber der Statuengruppe war. Beispiele für Frauen, die Stelen oder Statuen in Auftrag gaben, sind aus allen Zeiten belegt, wenn auch nicht in großer Zahl. Allerdings sind solche Denkmäler meistens mit einer entsprechend formulierten Widmungsinschrift versehen, die es auf der Familiengruppe der Pepi jedoch nicht gibt.

Standort

PELIZAEUS-MUSEUM [04/030] HILDESHEIM

Inventarnummer

0017

Datierung

5. DYNASTIE

Fundort

GIZA NEKROPOLE

Gattung

STATUE

Material

KALKSTEIN

Technik

SKULPTIERT

Höhe

44 cm

Breite

27 cm

Tiefe

16 cm

Übersetzung

(1) Ihr-Sohn Ra-schepses.
(2) Beauftragte-für-die-Dinge-des-Königs Pepi.
(3) Königlicher-Reinigungspriester Ra-schepses.
(4) Ra-schepses.

Bibliographie